FISnet - ein Modellprojekt in der Region Augsburg / Schwaben

Modellhafte Entwicklung von individualisierten Dienstleistungsnetzwerken für den Altersübergang

Ziel von FISnet ist der Aufbau kooperativer Dienstleistungsnetzwerke zur individuellen Gesundheitsförderung in der Erwerbs- und Posterwerbsphase. Dabei werden die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität in der (Noch-)Erwerbsphase mit der Phase danach verbunden, um auch dort ein selbstbestimmtes Leben, neue Lebensentwürfe sowie neue flexible Formen des ‘Ruhestands’ realisierbar zu machen.

Dafür werden gesundheitsfördernde Maßnahmen und Angebote im Arbeitsbereich mit denen aus anderen Lebensphasen verknüpft. Ein Beispiel hierfür ist ein gesundheitsförderndes betriebliches Übergangsmanagement in Form ehrenamtlichen Engagements (bspw. generationaler Wissenstransfer im Unternehmen), das ein Angebundensein und Gebrauchtwerden auch nach dem Ende der Beschäftigung ermöglicht.

Im Einzelnen gilt es dabei, drei Merkmale bzw. Bedürfnis- und Bedarfslagen besonders zu berücksichtigen:

  • Die 'Pluralisierung von Leben im Alter’ – konkret: eine Vervielfältigung von Gesundheitslagen, Autonomiepotenzialen, Teilhabechancen und Inklusionsformen in den Alterskohorten ab 55 Jahre – bedeutet vor allem, die Heterogenität dieser Lebensspanne ernst zu nehmen sowie perspektivische Verlängerungen von potenziellen Risikolagen zu berücksichtigen. Dabei ist zu beachten, dass die Ausformung und inhaltliche Füllung konkreter Problemlagen – und damit auch der möglichen Dienstleistungsformen - sehr unterschiedlich sein können.
  • Bei der Bestimmung der für die genannten Herausforderungen notwendigen Gesundheitsdienstleistungen ist daher zu unterscheiden zwischen qualitativ unterschiedlichen strukturellen Problemlagen (Risiken und Potentiale) und verschiedenen (Problem-)Gruppen (z.B. Geschlecht, Migration etc.).
  • Im Besonderen geht es darum, Menschen in der Erwerbs- und Posterwerbsphase über alle Bevölkerungsmerkmale hinweg gleiche Chancen auf einen Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen.

Haupt Inhalt

Dienstleistungen - so individuell wie Sie selbst

Diese “nicht zu vernachlässigende Zukunftsbaustelle des deutschen Gesundheitswesens” (Deutscher Bundestag 2012: 14) benötigt in ihrer konkreten Bearbeitung diverse ressortübergreifend angelegte Maßnahmen zur “Schaffung von Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Leben und Aktivität im Alter” und zur Anbindung an und Einbeziehung der Akteure in den Regionen (vgl. ebd.: 16).

“Die Lösung kann nur in neuen, dienstleistungsorientierten Versorgungs- und Angebotsformen liegen… Nur so ist es möglich, dass individuelle Gesundheitsbedürfnisse und verfügbare gesundheitsförderliche Angebote und Aktivitäten über die gesamte Lebensspanne hinweg individuell und modular zugeschnitten werden.” (Ganz u.a. 2011:13) 

Jedoch scheiterten bisherige Versuche der Vernetzung im Gesundheitssektor, und zwar aufgrund der dort vorhandenen strukturellen Ungleichheit sowohl zwischen den Versorgungs- und Lebenslagen der Klienten als auch innerhalb der Versorgungsstrukturen (z.B. Kostenträgerschaft) und den damit verbundenen unterschiedlichen Interessen und Rahmenbedingungen der verschiedenen Akteure.

Vor diesem Hintergrund sind folgende zentrale Kriterien für den Erfolg gesundheitsförderlicher Dienstleistungsnetzwerke zu benennen:

  • Gesundheitsdienstleistungen müssen lokal organisiert und individuell sein, damit die notwendige Lebens-/Sozialraumnähe gewährleistet ist. Denn um unterschiedlichen Gesundheitszuständen, Lebens- und Ressourcenlagen sowie lebensphasenspezifischen Aspekten gerecht zu werden, kann weder einseitig auf eine zentralisierte Organisation von Gesundheitsdienstleistungen, noch allein auf individualisierte Lösungen gesetzt werden.
  • Eine zentrale Organisation von Unterstützungs- und Förderangeboten verliert allzu schnell die individuellen Bedarfe und Bedürfnisse aus dem Blick. Es braucht daher regionale Gesundheitsnetzwerke, die sich selbst flexibel an die Gesundheits- und Lebenssituation der Menschen anpassen können.